Erste Wohnmobilreise mit dem geliehenen Chausson. Deutschland, Schwarzwald, Titisee, Thunersee, Grindelwald, Kreutzlingen/Schweiz.

Im Herbst 2009 lieh ich mir ein Wohnmobil, weil es mit den vorhandenen Hunden kaum möglich gewesen wäre, flexibel in Hotels unterzukommen.

Die erste Reise ging in den Süden und sollte zuletzt über die Schweiz gehen, wo wir zu einem Geburtstag eingeladen waren. Es war schon abenteuerlich dieses Gerät mit allem nötigen auszurüsten, die Technik einigermaßen zu verstehen und mit Hund, Katze gab es damals noch nicht und den Menschen auf große Fahrt zu gehen.

Was ich an gemieteten Fahrzeugen hasse, ist es unter Zeitdruck zu stehen. Ein Lernprozess der damals begann war entweder genügend Zeit zu haben oder zumindest kein Zeitraster in seine Planungen aufzunehmen.

Der erste Weg sollte uns nach Pfullingen führen. Natürlich probierte ich die Lösung über Belgien, Richtung Luxemburg aus. Es war ein schöner Tag und so machte uns das gemütliche Fahren nichts aus. Mittags erreichten wir Luxemburg und machten eine kleine Pause beim Mäcces und von dort wurde es dann schwierig. Erstens die Zeit drängte da wir zum Nachtessen eingeladen waren, was gegen 16:00 Uhr stattfinden sollte und weil es schwierig war von Luxemburg Stadt einen geeigneten schnellen Weg zu finden. Möglichkeiten waren da, entweder über Saarbrücken oder über Straßburg. Wir entschieden Richtung Saarbrücken zu düsen, wobei wir auch etwas Frankreich mitnahmen um in der Nähe von Karlsruhe zu landen.

Tolle Autobahnen in Frankreich und ich probierte was der Wagen hergab. Schwankend ließ er mich wissen das ich ziemlich schnell unterwegs war und plötzlich sah ich am Ende einer Kurve, unter einer Brücke, franz. Gendarmerie mit einem Blitzgerät.

Ich ging voll in die Eisen, doch als die nächste Mautstelle erschien und dort sehr viel Polizei rumlief, stieg mein Blutdruck gewaltig. Als dann auch noch ein Polizist auf unsere Durchfahrt zu kam und sich aufbaute war es fast um mich geschehen. Doch der kümmerte sich um den Wagen vor mir und winkte den rauss.

Wir hatten noch einmal Glück gehabt!


Mit langsam ruhiger werdendem Puls und Herzschlag und fast wieder in Deutschland strebten wir vorschriftsmäßig dem Ziel weiter zu. Leider verann die Zeit immer mehr und die angestrebten 16:00 Uhr waren nicht mehr zu halten. Ich versuchte in Richtung Stuttgart alles aus dem Wagen heraus zu holen, doch es war einfach zu gefährlich. Der Wind hatte aufgefrischt und wir konnten den Wagen kaum in der Spur halten. Irgendwann gegen 18:00 Uhr erreichten wir Pfullingen. Dort sollte es bei unseren Freunden Siggi und Christa Abendbrot und noch eine Radiosendung geben. Es wurde nur noch gegessen und gequatscht. Abends fielen wir todmüde ins Bett und hörten die vorbeiführende Schnellstrasse als Einschlafmelodie. Gewöhnungsbedürftig für Neu-Wohnmobilisten. Ohropax war nicht an Bord.

Morgens wurde ich ziemlich unsanft geweckt denn ich hatte mich verschlafen und alles wartete darauf mich im Radio zu hören. Schnelles Frühstück und auf ans Mikro.

Im Laufe des Tages verabschiedeten wir uns von unseren Freunden, denn der Wunsch weiterzufahren ließ sich nicht aufhalten.

Leider war es der Tag der Staus und wir entschlossen uns die BAB zu verlassen, noch ein wenig einzukaufen und dann einen Schlafplatz zu suchen. Stellplatz fanden wir keinen, CP hatten wir keine Lust zu, also mußte ein Waldparkplatz reichen. Gute Wahl, dort war es ruhig, die Tiere hatten Auslauf, es war schattig nach einem heißen Tag und früh fielen uns die Augen zu.

Am nächsten Morgen nach ausgedehntem Spaziergang fuhren wir weiter in Richtung Schweiz. Fuhren durch das schöne Weinanbaugebiert des Kaiserstuhls, wechselten die Rheinseite und fuhren durch das Elsaß und wechselten kurz vor Basel wieder auf die deutsche Seite, nachdem wir uns noch eine schöne Auszeit inmitten von Feldern gegönnt hatten. Wir hatten ja alles nicht im Griff, keine Ahnung und fuhren suchend weiter. Der Schwarzwald nicht weit kam mir die Idee an den Titisee zu fahren. Es war der 2. Oktober und wir hatten schon jede Menge Km gefressen. Ein wenig Erholung ehe es in die Schweiz geht kann nur gut tun.

Wir erreichten den auf den Bildern ersichtlichen CP und schon bei erreichen des uns zugewiesenen Platzes wurden wir mit einem fröhlichen Hallo und "können wir dir helfen" begrüßt.

Angenehm, doch ich als Mann und dann fremde Hilfe? Also versuchte ich es allein und brauchte doch den Nachbarn von Nebenan, warum auch nicht? Schließlich lernten wir uns schnell bei einem Fläschchen Bier näher kennen und der Abend war gerettet. Am Lagerfeuer, mit netten Getränken versorgt und noch mehr netten Gesprächen wurde es eine lange Nacht bei Minustemperaturen.

Trotz des Alkohols wurde ich recht früh wach und konnte die sensationellen Bilder vom Titiseeschießen, ein schönes Geschenk zu meinem Geburtstag. Einen Tag blieben wir noch wo wir um den See rumspazierten, ausgiebige Pausen machten unser Mobil reinigten und selbst die Sanitäranlagen ausprobierten. Die Neubauten sauber und eiskalt und selbst die Duschanlagen die mir vorkamen wir aus den 50er Jahren, ließen den Charme der Antarktis aufblitzen. Heiße Dusche und dann abfrieren ohne Ende. Campen macht hart.

Der nächste Teilabschnitt führte uns nach Bad Säckingen, eine kleine reizende Stadt wo es immer regnet wenn dort erscheine, wie sich in den nächsten Jahren herausstellen sollte. Sehenswert die Brücke über den Rhein, die lauten Mitarbeiter der Stadtverwaltung und sonst halt nur eine Nacht wert.

Am nächsten Tag ging es in die Schweiz. Allerdings, irgendwie hatte ich Zeit und Raum vergessen. Die Sonne schien und die Idee wuchs nach Grindelwald zu fahren. Wollte noch einmal in meinem Leben eine Jungfrau sehen. So fuhren wir vielleicht auf eine der schönsten Strecken die ich in der Schweiz fand. Die wunderbaren alten Holzschindelhäuser, überall Schweizer Fahnen, irgendwie sah alles aus wie auf einer Spielzeugeisenbahn. Einfach kuschelig. So fuhren wir Richtung Thuner See und von dort aus nach Grindelwald. Leider gibt es dort im Ort kaum Parkplätze und so hatten wir uns schon Probleme gemacht die wir nicht wollten. Ausserdem konnten die Parkautomaten nur mit Schweizer Franken bedient werden. Risiko pur, dann erst eine Bank zu finden, wieder zurück zum Womo, Parkautomat füttern und ein bisschen shoppen gehen. So groß das es für einen Nachmittag reicht ist Grindelwald nicht und die Cafe´s waren alle proppevoll. Wir beschloßen abzuhauen.

Runter vom Berg, es begann zu dunkeln und wir machten auf einem CP am See halt. Ziemlich teuer aber dafür Comfort vom Feinsten. SMS gab es damals auch schon. So erreichte mich die Nachricht das ich wohl nicht pünktlich zur nächsten Sendung die ich im vorher vereinbart hatte, erscheinen würde. Bei tauchte langsam die Frage auf, ob der Zeitverlust bei Womo-Fahrern normal ist oder ich bereits einer gewissen Senilität anheim gefallen war?

Es war nicht zu ändern und so erreichte ich Niederbuchsiten einen Tag später. Jedenfalls war dieser wunderschöne Tag am Thuner See und in den Bergen kein verlorener Tag, denn das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Es regnete die nächsten 2 Tage, die Mücken fielen über uns her, die Kirchtumglocken weckten jeden Morgen um 5 Uhr, die Schweiz ist so gemütlich.

Bald ging es weiter und wir durchquerten die Schweiz von West nach Ost und fuhren Richtung Kreutzlingen zu Freunden aus dem Radio. Dort wurde grad die große Geburtstagsparty für Bruno vorbereitet und noch viele Bekannte und Freunde trafen sich dort. So war es nicht verwunderlich das es Abends spät und trunken wurde. Fast die gesamte Sendezeit des Radios wurde dort vom Bodensee bestritten, ständig war einer oder mehrere auf Sendung. Morgends das große Frühstück in einem extra aufgestellten Zelt und dort spielte sich auch die meiste Zeit des Tages unser Dolce far niente ab. Wir lungerten rum wie Piloten die auf den Start warten und genoßen einfach die schöne Zeit in der Herbstsonne.

Samstags sollte dann die große Party steigen und es kamen noch weitere Gäste an. So lernte ich die Verwandten von Brunos Frau kennen. Weit angereist aus Bremen sogar ihre Tante und ihr Mann.

Unter einigen Leuten fuhren wir die Räume her richten für die Party und sogar reisten Roman Peters, bekannter Schlagersänger der Schweiz und Katja Sommer als Vertreterin des deutschen Schlagergutes aus Hamburg an. So wurde es eine recht lustige Party wo sowohl Profis wie auch Amateure ihr Publikum fanden.

Wieder regnete es in Strömen als wir die Party verließen und wie es nicht anders sein konnte, fuhren sich Bekannte im Dunkeln auf dem Werftgelände ihren schönen Jaguar ein wenig kaputt. Tja, es gibt Leute die finden ihre Bremse nicht im Dunkeln. Lach.

Am nächsten Morgen hieß es aufbrechen Richtung Heimat, es wurde lange nach Mittag ehe wir wegkamen. So gab ich wieder mal Gas, doch die Nacht forderte ihren Tribut. Mehrere Pausen unterwegs waren nötig das Ziel zu erreichen und so gab ich den Wagen erst Mittags zurück. Etwas verspätet aber ich habe den Verleih in Jülich beruhigen können und alles ist gut gegangen. Ach ja, beim Grauwasser ablassen hakte sich das Gestänge aus und nichts ging mehr. Die Fahrt hätte wirklich nicht länger dürfen.